[Philo] Tierschutz um jeden Preis?

Ich habe mir lange überlegt, ob ich diesen Artikel veröffentlichen soll. Aber es gibt einige Fragen, die schon seit langer Zeit in meiner Seele brennen. Ich weiß, dass ich mir mit dem Artikel nicht nur Freunde machen werde, aber ist das ein Grund zu schweigen? Ich mache niemandem einen Vorwurf, denn jeder Tierschützer arbeitet aus der Überzeugung, das beste für die Tiere zu tun und dies ist für mich das wichtigste.

Ich halte mich hier jetzt an meine Erfahrungen mit Emil, einem Ex-Straßenhund aus Rumänien, den ich im Mai 2014 adoptierte. Ich benutze den Artikel auch, um das, was ich mit ihm erlebt habe, zu verarbeiten und um die Menschen zu untersützen, die derselben Meinung sind und diese nicht äußern, weil sie Angst haben, von ihren Freunden und Bekannten ausgeschlossen zu werden. Leider ist es heutzutage die gängige Meinung, dass es ein Verbrechen ist, einen Hund aus einer guten Zucht zu adoptieren.

Jetzt aber zu Emil.

In seinem früheren Leben war Emil ein Straßenhund. Er lebte mit seinen Hundekumpels im Rudel, suchte Futter, floh vor den Tierfängern und kuschelte mit den Tierschützern. Dann sollte sich sein Leben ändern. Emil kam als Samson nach Deutschland, nachdem die Tankstelle in Bukarest, an der er lebte, von Hundefängern bedroht wurde. Hundefänger, die ihn erschossen, vergast oder auf schlimmere Art und Weise umgebracht hätten. Das ist der Alltag der rumänischen Tierschützer, und es ist ein grausamer und blutiger Alltag. Deswegen beschlossen die Tierschützer, ihn nach Deutschland zu holen. Dort gibt es sicher ein schönes Zuhause für ihn mit einem warmen Körbchen und leckerem Essen. Für die Tierschützer ganz eindeutig die bessere Wahl. Besser, als eine weitere unschuldige Seele krepieren zu lassen. Wäre ich Tierschützer in Rumänien – ich würde es genauso tun.

Emil kam zu einer Pflegestelle nach Berlin. Die Dame hat ein riesengroßes Herz und widmet ihr Leben, um Tieren zu helfen und sie zu umsorgen. Eine Sache, die von den verzweifelten Tierschützern in Rumänien natürlich dankbar wahrgenommen wird. Jeder vermittelter Hund ist ein geretteter Hund. Aber die Pflegestelle wurde neben ihren fünf eigenen Hunden von vier Pflegehunden belagert, immer wieder kam jemand und gab ihr einen zur Vermittlung und sie nahm ihn auf. Natürlich, weil sie den Hunden Gutes tun wollte, was die Menschen nicht vermögen. Hut ab.

Und jetzt? Ist es sinnvoll, die Pflegestellen so vollzustopfen? Sollte man nicht lieber gezielt Personen suchen, die die Hunde artgerecht rehabilitieren können, um sie anschließend zu vermitteln? Ist es in Ordnung, die Gutherzigkeit der Pflegestellen so „auszunutzen“ und ihnen regelrecht ein schlechtes Gewissen zu machen, wenn sie nicht noch einen weiteren Pflegehund aufnehmen? Und wieder meine Antwort: Wäre ich Tierschützer in Rumänien – ich würde es genauso tun.

Dann wurde Emil vermittelt. Die Vermittlung hielt eine Woche. Emil könne nicht alleine bleiben, außerdem habe es nicht gefunkt. Okay, also zurück zur Pflegestelle, die ihn natürlich mit ihrem riesen Herz wieder aufnahm. Jederzeit und alles, um den Tieren zu helfen.

Tierschutz um jeden Preis.

Dann kam ich. Zu dem Zeitpunkt 27 Jahre alt, Psychologin und auf der Suche nach Therapiehund Nummer zwei. Emil ist mir schon bei den Fotos der Tierschützer ins Auge gesprungen:

Emil in Rumänien

Emil in Rumänien

Die Tierschützer beschrieben ihn als total lieb und anhänglich. Klingt doch nach Therapiehund, oder? Ich habe ihn also bei der Pflegestelle besucht. Er kam wiederholt zu mir, legte den Kopf auf meinen Schoß und ließ sich kraulen. Perfekt.

Dann startete für mich eine zweiwöchige Testphase. Ich brachte die Hundetrainerin mit, die auch seine Tauglichkeit bestätigte und ging zum Tierarzt, weil er seltsam lief. Es sei alles in Ordnung, Röntgenbild bräuchte man nicht machen. Schmerzen habe er keine. Na klar.

Wäre es so weiter gegangen, wäre Emil sicher Therapiehund geworden. Und was für einer! Doch das Schicksal wollte es anders für ihn.

Also keine Schmerzen. Dafür hatte die Tierärztin zwei Bonbons für mich: Flöhe (was blöd ist in einem Haushalt mit drei Hunden und zwei Katzen, Kostenpunkt 50€) und eine chronisch entzündete Wolfskralle. Aber das könne man beheben. Gut, ich nehme ihn trotzdem.

Tierschutz um jeden Preis.

Die Wolfskralle heilte trotz zahlreicher Salben und Antibiotika nicht ab. Also OP. Dann Nachbehandlung. Heilte schlecht. Wochenlang rannte ich zwei Mal die Woche zum Tierarzt. Emil vertrug außerdem keine Antibiotika. Also mussten wir seinen Magen und Darm wieder aufpäppeln. Kostenpunkt: 1200€.

Ok, dann noch die Schramme im Gesicht – entzündet: 50€.

Das sei bei Tierschutzhunden normal. Die hätten immer mehr Wehwehchen als Hunde aus einer verantwortungsvollen Zucht, so die Tierärztin. Ja sicher.

Tierschutz um jeden Preis.

Als Emil dann wieder einigermaßen hergestellt war, gings weiter im Alltag. Mit anderen Hunden verstand er sich gut, er mochte keine betrunkenen Männer, aber das mag ich auch nicht. Ist also ok. Aber er wurde zunehmend unsicherer und in meiner Abwesenheit schnappte er ein paar Mal.

Nach zwei Monaten bei mir (mit stolzer Doppel-Hundemama) stellte die Tierphysiotherapeutin bei der Behandlung meines Mitbewohner-Hundes fest, dass Emil komisch läuft. Tschagga. Ein bisschen rumkneten und rumpieksen mit professionellen Händen sagt manchmal mehr als jeder Tierarzt-Befund. Emil hatte große Schmerzen und brauchte drei Mal die Woche Physio. Das sind 12 Mal im Monat. Kostenpunkt? 360€ im Monat.

Die Tierphysiotherapeutin entdeckte etwas, was sich anfühlte wie Patronenhülsen in Emils Körper. Durch die Massage losgelöst. Nächster Strike. Um sicher zu gehen, dass die Hülsen nicht aus Blei sind und nicht seinen Körper vergiften, ging ich zum Tierarzt. Jetzt endlich röntgen. Die gute Nachricht: Die Hülsen dürfen drin bleiben. Die schlechte: Spondylose. Also Bye-Bye Karriere. Erklärt das Schnappen. Er schnappt aus Schmerzen.

Aber, was solls. Nach zwei Wochen heulen und hin und her überlegen und Emil-ein-neues-Zuhause suchen habe ich mich entschieden er soll bleiben. Also Blutegel-Therapie. Kostet mal wieder was. 200€ oder so. Hab den Überblick verloren. Aber egal, ich will, dass es ihm gut geht. Ich esse Nudelsuppe.

Tierschutz um jeden Preis.

Nach einigen Monaten Tierphysiotherapie und Blutegeltherapie konnte man das Ergebnis deutlich sehen:

Emil liegend vorher - heute sehe ich den Stress in seinem Gesicht: Schmerzen.

Emil liegend vorher – heute sehe ich den Stress in seinem Gesicht: Schmerzen.

Emil laufend vorher - hätte man was sehen können?

Emil laufend vorher – hätte man was sehen können?

Emil stehend hinterher. Man sieht deutlich, wie sich seine Figur verändert hat. Die Muskeln, die den Schmerz verhindern sollten werden nicht mehr gebraucht und gehen zurück. Der Körper wirkt gesünder.

Emil stehend hinterher. Man sieht deutlich, wie sich seine Figur verändert hat. Die Muskeln, die den Schmerz verhindern sollten werden nicht mehr gebraucht und gehen zurück. Der Körper wirkt gesünder.

Emil liegend nachher. Man sieht die Ruhe in seinen Augen und seine veränderte Körperhaltung. Fast schmerzfrei.

Emil liegend nachher. Man sieht die Ruhe in seinen Augen und seine veränderte Körperhaltung. Fast schmerzfrei.

Emil geht es also gut. Jetzt kommt aber die harte Realität. Mit auf Arbeit kommen kann er nicht – er wird nie Therapiehund werden, da man nicht weiß, wann ihn der nächste Schmerz-Schub überkommt. Also muss er zuhause bleiben. Alleine, denn Frieda darf ja arbeiten. 8-10 Stunden am Tag, mittags kommt mal jemand vorbei und geht eine große Runde mit ihm. An der Leine, denn Emil jagt. Aber hier hat er es sicher besser als in Rumänien. Und natürlich: Wäre ich Tierschützer in Rumänien – ich würde es genauso tun.

Mich plagt jetzt das schlechte Gewissen. Ich habe ihn seiner Freiheit beraubt, seinem großen Rudel und seiner Beschäftigung – der Futtersuche und Jagd. All das kann ich ihm nie ersetzen. Und jetzt darf er noch den ganzen Tag im Haus liegen, alleine.

Ist das eine Hundeleben?

Emil in Rumänien

In Freiheit aber nicht sicher.

Oder das?

Emil in Deutschland. Nicht frei aber sicher.

Emil in Deutschland. Nicht frei aber sicher.

Und um ehrlich zu sein: Ich kann es euch nicht sagen. Ich finde, dass seine Augen trauriger geworden sind und ich merke, wieviel Arbeit es ist, ihn in mein Leben „zu quetschen“. Dennoch liebe ich ihn.

Aber den ganzen Tag zuhause bleiben und als „Wochenend-Hund“ gehalten werden, das ist für mich nicht das Leben, dass ich ihm wünsche. Deshalb habe ich mich schweren Herzens entschieden, ihm ein neues Zuhause zu suchen in einer Familie mit Garten oder Hof, wo er ein bisschen Freiheit in einem kleinen Hunderudel genießen darf.

Tierschutz um jeden Preis.

Letztendlich auch um den Preis meines gebrochenen Herzens.

Ich möchte euch nicht angreifen und nicht verletzen. Ich erzähle meine traurige Geschichte, die sicher ein Happy End haben wird. Aber ich möchte euch zum Nachdenken anregen. Bevor ihr euch einen Hund aus dem Tierschutz holt: überlegt euch, ob ihr ihm das Leben bieten könnt, dass er braucht, ohne euch zu verdrehen. Nur wenn ihr authentisch seid könnt ihr eurem Hund auch was Gutes tun.

Tierschutz: ja! Aber nicht um jeden Preis.

Eine Utopie wären Länder, in denen Straßenhunde zum Stadtbild gehören. In denen sie nicht gejagt werden und medizinisch versorgt werden, in denen sie Essen bekommen und kastriert werden, um sich nicht zu vermehren. In denen sie frei sein dürfen und dennoch sicher sind. Dafür würde ich spenden.

Danke an die Unterstützung in zahlreichen Gesprächen mit tollen Menschen und an Katharina Hödel für die Fotos von Emil.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Philo, Tierschutz veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

35 Antworten zu [Philo] Tierschutz um jeden Preis?

  1. Dan Gie schreibt:

    Liebe Philo, du weißt, dass ich deine Gedanken zum Strassenhund teile, auch wenn es bei meiner Lütten anders war.Schließlich war sie bereits so lange im Shelter, dass sie ihre Zeit auf der Strasse vermutlich vergessen hat.Außerdem ist sie gerade ca. 1 Jahr alt.Ich denke ähnlich…ich denke, dass es nicht die Aufgabe von deutschen Tierschützern sein kann, wahllos Hunde nach Deutschland zu transportieren.Wahrscheinlich ist es viel, viel wichtiger, die Bevölkerung vor Ort zu sensibilisieren, mit Hunden anders umzugehen.Am Beispiel Emils sieht man, wie schwer es ist, einem Hund mit dieser Vorgeschichte ein neues, und nach unseren Vorstellungen perfektes Heim zu bieten.
    Ich bedaure deinen Entschluss zutiefst, aber ich weiß, dass es für Emil wahrscheinlich besser sein wird.Und mir ist klar, wie sehr du leidest – ich bewundere dich für diesen Schritt.

    • friedanaali schreibt:

      Danke Danielle!
      Das ist es ja: wir sind eigentlich nicht dafür, Tausende Hunde nach Deutschland zu holen und dennoch lieben wir unsere Begleiter… Und das ist auch gut so! Emil und Lydia und Frieda und Igor haben unsere liebe verdient, auch wenn die letzten beiden deutsche sind 😊
      Vielen dank für deine Worte!

  2. Anja und Lucy schreibt:

    Liebes Frauchen von Emil,

    dein Gewissen brauch dich nicht zu plagen.
    Durch dich hat Emil ein besseres Leben kennengelernt, ein Leben mit regelmäßigem Futter, Wärme und Zuspruch. In seiner Heimat hätte er den Tierfängern vielleicht noch eine Weile ein Schnippchen geschlagen aber die Schmerzen hätten ihn sicher irgendwann eingeholt und dann wäre alles schwerer für ihn geworden: Futtersuche, mit der Gruppe mithalten, flüchten…

    Bei dem Wort Tierschutz denkt man gleich an streunende, verhungernde Auslandshunde, denen ein grausamer Tod bevorsteht. Aber Tierschutz fängt schon bei der Verantwortung an, wenn wir ein Tier übernehmen, egal ob Straßenhund, Tierheimtier oder ein Welpen vom Züchter.

    Und diese Verantwortung beinhaltet auch für das Tier nur das Beste zu wollen, auch wenn man genau das nicht selbst bieten kann. Die letzte Aufgabe besteht darin, dafür zu sorgen, das der Hund es in Zukunft gut haben wird, das auf all seine Macken Rücksicht genommen wird, das sein Krankheitsbild weiterhin behandelt wird. Auch das geschieht aus Liebe und zum Schutz des Tieres.

    Ich wünsche dir ganz viel Kraft und für Emil alles Gute!

    Liebe Grüße, Anja und Lucy

    • friedanaali schreibt:

      Liebe Anja und Lucy,

      Vielen dank für euren Einwand. Ihr habt recht, Tierschutz bedeutet, Tiere zu schützen, egal welche Rasse und welche Geschichte. Da hätte ich mich klarer ausdrücken müssen. Obwohl es ja auch in dem großen Sinne des Wortes stimmt: nachdenken, mit wem man sein leben (oder einen Teil) verbringen will und was das genau bedeutet. Das ist etwas, worüber ich mir vor der Adoption von meinen beiden Hunden keine Gedanken gemacht habe und wofür ich jetzt bei Emil bitter bezahlen muss. Weil ich jetzt mit mir, meinem gewissen und meiner Trauer klar kommen muss.
      Aber wir begegnen den Seelen, von denen wir lernen sollen und Emil hat mir unglaublich viel gegeben, wie ich ihm auch.
      Ich hoffe, dass das mir helfen wird, wenn es soweit ist.
      Danke für eure Anteilnahme!

  3. Anke Jobi schreibt:

    Hallo liebe Philomela,

    ich gebe dir in allem absolut recht, was du schreibst. Absolut, bin ich deiner Meinung! Ich habe auch schon schlimmes erlebt mit Tierschutzhunden. Bei unserem letzten war es so schlimm, der konnte nur noch gemanagt werden, nachdem sich so einige Hundeschulen und Therapeuten die Zähne dran ausgebissen haben und er immer aggresiver wurde, weil er mit dem Leben hier einfach überfordert war. Mit unserer Lucy haben wir noch mal einen Hund aus dem Tierschutz geholt, allerdings viel überlegter als vorher. Ich habe auch großen Wert darauf gelegt, dass es eine Tierschutzorganisation ist, die nicht einfach aus dem Land karrt, sondern die vor Ort handelt. Und die viel ehrliche Infos zum Hund gibt. Lucy ist toll, sie hat aber trotzdem auch Defizite, Unsicherheiten. Missen möchten wir sie nicht. Aber ich konnte mit viel Hundewissen vieles bei ihr verändern, wer weiß, wie es ihr ergangen wäre, wenn sie in unerfahrene Hände geraten wäre. Meist werden die neuen Besitzer auch überhaupt nicht auf das vorbereitet, was ihnen mit dem Hund eventuell wiederfahren kann. Und ich muss echt sagen, je mehr ich lerne über dieses Thema und vor allem über diese Hunde, desto mehr bin ich dagegen, wie Tierschutz sehr häufig (vielleicht sogar meist) gehandhabt wird.

    Auf jeden Fall wünsche ich Emil, dass er eine Familie findet, die seinen BEdürfnissen gerecht werden kann.

    Danke für deine offenen Worte …
    Liebe Grüße
    Anke

    • friedanaali schreibt:

      Danke dir, Anke!
      Es ist eben schwer für uns Menschen, nein zu sagen, wenn andere Wesen in Gefahr sind. Das ist auch wichtig, aber man muss sich dessen eben bewusst sein und beide Seiten sehen.
      Vielen dank für deine lieben Worte!

  4. jörg schreibt:

    Interessante Perspektive, liebe Philo…Irgendwie macht das melancholisch. In Albanien, Tirana, habe ich Deinen Traum umgesetzt gesehen; freie Straßenhunde, gesund, gezählt, kastriert…Am späten Abend sind sie dann umhergezogen, auf der Suche nach Futter. Das hatte was…Eine Hunde-Therapie-Ausbildung würdest Du wo machen? Hast Du einen Tip? Ich überlege, ob Tara eine machen sollte?

  5. Kellie Jaxson schreibt:

    Hat dies auf Der Yorkshire Terrier Blog rebloggt und kommentierte:
    Hallo Philo!

    Dein Artikel macht mich zwar traurig aber er spricht ein wichtiges Thema an. Immer mal wieder wurde ich angegriffen, weil ich drei Yorkies vom Züchter holte. Schließlich sind die Tierheime ja voll….

    Dass ich aber aufgrund meiner Hundeallergie nicht einfach irgendeinen Hund nehmen kann, wollte auch niemand so richtig verstehen. Und in einer Wohnung ohne Garten einen großen Hund zu halten, finde ich nicht gut. Yorkies findet man in der Regel nicht im Tierheim. Und wenn, dann ist oft noch was anderes drin. Also wurden es Welpen vom seriösen Züchter.

    Ich finde es bewundernswert, einem Hund aus dem Tierheim einen neues zu Hause zu bieten. Oftmals kennt man seine Vergangenheit jedoch nicht. Gerade bei einem Ersthundehalter finde ich das fragwürdig und riskant. Wie geht man mit dem Hund um, wenn er plötzlich Verhaltensweisen an den Tag legt, mit denen ein Halter nicht umgehen kann. Vor allem, wenn es der erste Hund ist. Früher oder später landet er wieder im Tierheim.

    Zweites Problem : Warum müssen wir so viele Hunde aus dem Ausland importieren, wenn die deutschen Tierheime doch so voll sind von einheimischen Tieren.

  6. Kellie Jaxson schreibt:

    Hallo Philo!

    Eigentlich wollte ich Dir nur meine Unterstützung in Form eines Kommentare da lassen. Allerdings hatte ich dann doch mehr zum Thema zu sagen, sodass ich deinen Post mit meiner Anmerkung in meinem Blog reblogged habe.

    Alles Gute Kellie

  7. Kristin schreibt:

    Hallo Philo,

    ich bin doch sehr bestürzt über deinen Text, aber er hat mich zum Nachdenken gebracht. Du hast Recht, Man kann nicht einfach reinholen ohne Ende und denken dadurch wird alles gut. Nur wenige Vereine machen sich wirklich die Mühe die passenden Menschen für die Hunde zu finden. Die meisten freuen sich einfach nur, wenn der Hund vermittelt ist. Dass der Hund dann evtl. sein ganzes Leben nicht richtig glücklich wird, da das Zusammenleben mit den falschen Menschen nicht klappt, wird oft nicht bedacht. Denn der Hund bekommt doch Liebe, Futter und einen Schlafplatz, das muss reichen. Oftmals zählen ein warmer Schlafplatz und das beste Futter aber nicht, wenn die Gemeinschaft nicht passt.
    Ich muss sagen, ich war sehr zufrieden mit dem Verein von Feline, aber das ist eine Einzelmeinung.
    Schwieriger finde ich es, sich für eine Art der Adoption zu entscheiden, bevor man einen Hund im Auge hat. Anfangs sollte es ja ein Züchterhund werden. Da wurde ich schief angeguckt, warum ich sowas unterstütze, es gebe doch genug arme Seelen. Ich war trotzdem überzeugt.
    Nun ist es doch ein Auslandshund geworden. Und auch da werde ich schief angeguckt, denn wieso Ausland und nicht Deutschland?
    Egal für was man sich entscheidet, solange man es „richtig“ macht, sei es jedem selbst überlassen,
    Ich finde es sehr mutig von dir, im Sinne von Emil zu entscheiden. Ich könnte es nicht, sei es aus falscher Liebe oder Egoismus. Man braucht viel Stärke um diesen Schritt gehen zu können und du beweist diese.
    Ich wünsche euch, dass ihr beide glücklich werdet.
    Liebe Grüße
    Kristin

    • friedanaali schreibt:

      Vielen Dank, liebe Kristin!

      Ich finde es wichtig, dass jeder schaut, welcher Hund zu einem passt und sich darauf einstellt, mit welchem Tier und welcher Seele er zusammen leben wird. Deshalb geht es um Aufklärung.
      Ich finde, Feli, Milo und du passt super zusammen und Feli hat es bei dir sehr gut.
      Schade, dass es nicht allen Hunden so gehen kann.
      Es geht eben um mehr als Futter und Schlafplatz.

      Alles Liebe,
      Philo

  8. Severine Martens schreibt:

    Da hast Du einen sehr mutigen und wichtigen Artikel geschrieben, liebe Philomela, Hut ab dafür! Der Milow, auch ein Straßenhund a.D., kam vor zweieinhalb Jahren zu uns und er hat meine ganze Einstellung zu Hunden und dem Leben mit ihnen umgeschmissen und völlig neu geordnet. Es gab aber auch Zeiten, da bin ich schier verzweifelt, vor allem vor der nicht vorhandenen Beisshemmung gegenüber Menschen. Mittlerweile haben wir (aber ganz ganz knapp) unseren gemeinsamen Weg gefunden, aber das war verdammt noch mal nicht leicht – nicht für ihn und nicht für mich! Oft war ich auch an dem Punkt, ihn wieder abzugeben – in bessere, geduldigere Hände, irgendwo auf dem Land mit eigenem Wald und Feldern, weit weg von der sog, menschlichen Zivilisation. Ich habe einmal drüber geschrieben, ich tue den Linkmal unten drunter. Das war vor fast zwei Jahren und da wurde man noch ziemlich übel kommentiert, wenn man an den Baum des „Rettens um jeden Preis“ gepullert hat! Lese mal die Kommentare dort, einige werden Dir vieleicht sehr gut tun … die bösen habe ich alle gelöscht! Nochmals, alle Achtung vor dem Mut zu Deiner Entscheidung und zu diesem Artikel – Restpekt!

    Liebe Grüße
    Severine, Luna und der Halunke Milow

    —> http://fabelschmiede-und-wortsalat.blog.de/2013/05/25/strassenhund-reload-16054982/

    • friedanaali schreibt:

      Vielen Dank, Severine für deine Worte.
      Ich denke, dass nicht alle das nachvollziehen können, wie es ist, sich (fast) von einem Wesen trennen zu müssen, das man sehr liebt.
      Ich denke, dass man viel über sich lernt, wenn man mit einer erfahrenen Hunde-Seele wie Milow oder auch Emil zusammen lebt, dennoch würde eine bessere und gezieltere Aufklärung einen besser auf das vorbereiten, was kommt und somit könnte man auch besser einschätzen, ob man die Energie und Kraft hat, sich in dieses Abenteuer zu stürzen.
      Letzendlich geht das „Retten um jeden Preis“ auf Kosten der Hunde.

      Ich wünsche euch alles Gute und weiterhin viel Kraft für euern Weg!
      Philo

  9. Tatti Groening schreibt:

    Hallo,

    Tierschutz um jeden Preis, nein. Das sehe ich auch so. Dennoch sind es Zeilen wie diese, die Menschen unter Umständen davon abhalten, einen Hund aus dem Tierschutz zu adoptieren. Ich halte es persönlich für sinnvoller, wenn man ins Auge gefasst hat, einen Auslandshund bei sich einziehen zu lassen, sich umfassend zu informieren und sich nicht vom niedlichen Bild, das man gesehen hat, verleiten zu lassen.
    Ich kann selber nur von Spanien reden,da sind auch Spanier mittlerweile dabei zu helfen, was natürlich auch die Beschreibungen der Hunde um ein Vielfaches besser macht. Wenn man sich informiert, wird man früher oder später auch herausgefunden haben, was einen Verein/eine Organisation gut macht. Und kann so sehr viel besser eine Entscheidung treffen.

    Wenn ich einen Tötungshund statt Strassenhund habe, in dem Shelter im besten Falle Spanier selber mitwirken, bekomme ich durchaus ein gutes Bild vom Hund. Wenn ich zudem einen Verein habe, der mir jederzeit mit Rat und Tat zur Seite steht, sollte man solch einem Hund kein schönes Leben an seiner Seite verwehren.
    Ich habe auch schon einen adoptierten Hund hergeben müssen, kann also nachvollziehen, wie es dir damit geht…. aber er passte einfach nicht zu uns und ist ein Männerhund. Lebt heute glücklich und zufrieden an der Seite eines Mannes und ich bereue nicht, ihn geholt zu haben.

    Danach habe ich auch einen „Notpflegi“ bei mir einziehen lassen, der nicht in die Familie passte, in der er war. Und was soll ich sagen? Es ist die grösste Hundeliebe, die ich je hatte. Er ist gesund, er ist ein glücklicher, lieber, toller Kerl, den ich keine Minute mehr missen möchte.

    Was ich eigentlich sagen will: Wenn man mit dem Gedanken an einen Tierschutz-, Ausland-, irgendwas-Hund schwanger geht, ist Information wohl das allerwichtigste. Einen Verein zu finden, der seinen Job ordentlich macht und selber auch abwägen kann, ob der jeweilige Hund in die Familie passen kann, oder ab man das lieber lässt, statt jeden Hund zu jedem Menschen zu vermitteln.
    Vertrauen ist alles, letztendlich gehts um ein Hundeleben und auch um das eigene.

    Dir und Emil wünsche ich von Herzen alles Glück der Welt, dass sich jemand findet, der Emil ein glückliches Leben schenken kann.

    Herzliche Grüße,
    Tatti

    • friedanaali schreibt:

      Liebe Tatti,
      vielen Dank für deine Worte und das Teilen eurer Geschichte.
      Ich bin ganz deiner Meinung, auch ich finde, dass eine umfassende Aufklärung das Wichtigste ist. Außerdem wäre es sinnvoll, die Hunde in eine Pflegestelle zu geben, die es sich auch leisten kann, die Hunde medizinisch umfassend zu betreuen. Hier könnte man die Pflegestellen auch finanziell untersützen. Dann könnte man Verletzungen und medizinische Konditionen frühzeitig erkennen und behandeln und würde keine „Überraschungseier“ vermitteln.
      Dazu müsste es aber mehr Pflegestellen geben, die das leisten können und das geht nur mit finanzieller Entschädigung für Tierarzt-Kosten.
      Oftmals können die Vereine vor Ort die Informationen gar nicht liefern, weil sie keine Zeit haben, sich intensiv mit einem Hund zu beschäftigen, sie medizinisch nicht umfassend untersuchen zu lassen und mit ihnen in einem Haus zu wohnen, um seine Eigenarten kennen zu lernen. Umso wichtiger sind die Pflegestellen.
      Das System ist sicher optimierbar, dennoch denke ich, dass man mit einem genaueren System weniger Hunde retten könnte und das wiederrum hindert die Organisationen daran.
      Ich hoffe, dass es eine Veränderung geben wird, die die Menschen und Hunde unterstützt.

      Liebe Grüße,
      Philo

  10. Helga Tafakis schreibt:

    Weil die problematik des tierschutzes so vielschichtig ist, habt ihr alle irgendwo recht und , das finde ich beachtlich, jede antwort hat den richtigen ton getroffen.Die hunde, die ueber irgendwelche grenzen nach Deutschland gebracht werden, sind oft die ganz armen geschoepfe, die in die obhut oertlicher tierschuetzer gegeben werden.Ausgesetzte ,ganz junge welpen, die ohne intensive versorgung innerhalb einiger tage sterben wuerden, fast verhungerte, die eben nicht mit dem leben auf der strasse zurechtkommen, unfallopfer, die am strassenrand eingesammelt werden von menschen, die nicht wegschauen koennen. Wegschauen muss man oft, zu oft, und aufklaerung und kastrationsaktionen vor ort sind die prioritaeten eines verantwortungsbewussten tierschutzes.“Geschickt“ werden die, die eine chance haben sollen und glaubt mir, das prinzip des zufalls entscheidet…zur richtigen zeit am richtigen ort! Mit grossem aufwand hochgepaeppelt und reisefertig gemacht ,hoffen die tierschuetzer fuer diese hunde auf ein lebenswertes leben an der seite tierlieber menschen.Ganz oft gelingt dieses unterfangen und die rueckmeldungen waermen das herz und ermutigen zu weiterem engagement.Aber es gibt auch“Emils“,das wissen wir und bitte glaubt mir, das verzweifelt uns genauso wie die neuen besitzer. Da entwickelt sich ein tier ganz anders, als es sich bei uns gezeigt hat,hat koerperliche maengel, die nicht abgeklaert werden konnten…und es ist leider nicht so, dass ein strassenhund schon aufgrund der harten auslese die gesundheit gepachtet hat.
    Der tierschuetzer-grundsatz traegt uns: wie koennen nicht die ganze welt aendern, doch fuer dieses eine tier aendert sich die ganze welt, und wir wuenschen uns ,alles zum guten! Eine wesens-und gesundheitsgarantie hat man bei keinem hund, beim hund aus der zucht ist der weg kalkulierbarer, beim streuner auf jedenfall ein abenteuer, fuer den, der es wagen will.
    Fuer Emil wird sich sicher das „richtige“ zuhause finden, ich wuensche alles gute.
    Helga aus griechenland

    • friedanaali schreibt:

      Vielen Dank, liebe Helga und danke für dein Engagement in Griechenland.
      Ich hoffe sehr, dass sich eine andere Art der Vermittlung entwickeln wird, die die Tiere gezielter zu ihren Menschen führen kann.
      Ich arbeite Momentan an einem Konzept, das das zusammenleben von psychisch kranken Menschen mit Tierschutzhunden vorsieht. Hier werden die Hunde von den Menschen ausgesucht und das neu gewordene Päarchen lebt einige Monate unter Supervision, Therapie und Training zusammen. Anschließend kann beurteilt werden, ob die beiden den Weg gemeinsam weiter bestreiten oder der Hund weitervermittelt wird (dann ist er bereits trainiert, im Verhalten gut einschätzbar und der Mensch durch den Hund therapiert). Das würde die Vermittlung präziser machen.
      Ich wünsche dir für deine Arbeit weiterhin viel Kraft!

  11. Liebe Philo,

    sehr berührende Geschichte. Ich gebe dir recht – und nicht recht. Leben um jeden Preis ist sicher für nichts und niemand erstrebenswert – aber die Art und Weise, wie Straßenhunde erschlagen, vergiftet, verbrannt werden, kann einfach keine Alternative sein.

    Ich habe 2006 einen Hund aus dem spanischen Tierschutz übernommen. Auf den ersten Blick eine Schmusebacke und liebe Seele, aber zutiefst verunsichert, hat vom Fußgänger bis zum Vogel alles verbellt – was ich heute an guten und abstrusen Erziehungsmethoden kenne, was ich heute über Hunde überhaupt weiß, hat mir alles Fly beigebracht. Er ist mein Herzhund. Auch wenn es in den ersten Monaten genug Momente gab, wo ich ihn am liebsten zurück geschickt hätte.

    Aber auch noch heute, nach all den Jahren, merke ich immer wieder seine seelischen Wunden und Verletzungen. Die Angst, wenn es schießt und knallt.

    Bei uns ist es trotz allem ein Happyend. War mir einfach ein Bedürfnis, auch diese Geschichte hier zu erzählen.

    LG Petrina

    • friedanaali schreibt:

      Liebe Petrina,
      vielen Dank für deine Geschichte. Ich finde es toll, dass du die Kraft hattest, mit Fly durch seine Eingewöhnung zu gehen und dein Herz für ihn geöffnet hast.
      Ich hatte bereits mit meinem ersten Hund Frieda, einem Zuchthund, der depriviert aufwuchs und deshalb Angsthund war/ist zwei Jahre intensives Training, Tränen, Wut und Verzweiflung durchlebt.
      Sicher habe ich mich nicht umfassend informiert (bin auch nicht umfassend informiert worden) darüber, was es bedeutet, einen Tierschutzhund zu adoptieren. Weil, seien wir ehrlich, ich hätte ihn sicher nicht adoptiert, weil ich gewusst hätte, dass ich die Kraft für zwei solche Hunde nicht habe.
      Jetzt ist es anders gekommen, Emil ist vom Verhalten (fast) ein Traumhund, leider kommt der Rücken dazu, wiederum etwas, was ich (hätte ich meiner Intuition gefolgt) früher erfahren hätte können.
      Es kommt alles so, wie es kommen soll: Emil hat mir unglaublich viel beigebracht, mir viele tolle Momente geschenkt, ich habe ihm dafür Gesundheit und Schmerzfreiheit gegeben.
      Wir werden immer verbunden sein, auch wenn wir nicht mehr zusammen leben und dafür bin ich ihm unendlich dankbar.
      Dennoch hat er das Leben verdient, was er sich wünscht: Freiheit und Sicherheit. Das werde ich ihm suchen.

      Danke für deine Worte!
      Philo

  12. SusiP schreibt:

    Sehr gut geschrieben. Was wäre wohl aus Emil in Rumänien geworden? Was wäre aus Emil in Deutschland bei irgendeinem anderen Besitzer geworden? Das größte Herz beweist du allerdings mit der Entscheidung für ihn ein tolles Zuhause zu suchen. Kein Hund sollte ein Feierabend- oder Wochenendhund sein. Das ist egoistisch. Eigentlich sollte auch kein Hund Einzelhund sein, aber das ist eben nicht immer machbar. Ich sehe ein großes Problem darin, dass oft Hunde ausgeflogen werden, die eben nicht familientauglich oder alltagstauglich sind, völlig falsch beschrieben werden oder Angsthunde sind und auch bleiben. Hauptsache raus da. Ausserdem kann man ganz schnell ganz viel verkehrt machen bei einem Hund. Zusätzlich schiessen Hundetrainer wie Pilze aus dem Boden, die teilweise von nix ´ne Ahnung haben.

    • friedanaali schreibt:

      Danke, Susi!
      Es kommt immer alles so, wie es kommen soll, daher denke ich, dass es keine richtigen und falschen Entscheidungen gibt. Emil ist hier und wird weiterhin in Deutschland bleiben, er ist so genügsam und geduldig, er wird sicher glücklich werden. Aber wie du sagst: Wochenendhund und Einzelhund, das können die wenigsten Ex-Straßenhunde. Das würde ich auch keinem raten. Sicher gibt es auch hier Ausnahmen, aber man muss sich dessen bewusst sein.

      Danke für deinen Kommentar!
      Philo

  13. Gerti schreibt:

    Hab einen Film ueber Strassenhunde in Cuzco (Peru) gesehen – einfach toll. Die meisten haben ein Zuhause, aber waehrend des Tages treffen sie sich in Gruppen, ‚chillen‘ und spielen und am Abend geht jeder seiner Wege wieder nach Hause. Sie meistern das Stadtleben mit den vielen Autos souveraen und sind niemals aggressiv Menschen gegenueber die die Hunde gelassen wahrnehmen. Ein richtig tolles Hundeleben finde ich. Deinen Bericht finde ich sehr ehrlich und nachdenkenswert. Danke

    • friedanaali schreibt:

      Danke, Gerti.

      Leider ist die Realität in Rumänien, wo Emil herkommt nicht so rosig. Aber von der Idee her gebe ich dir Recht, das wäre sicherlich ein schönes Leben. Ich hoffe, dass es irgendwann Realität wird…

  14. Kegi schreibt:

    Liebe Philo

    Ich persönlich bin nicht in allen Punkten deiner Meinung.
    Es entsteht der Eindruck das die Strassenhunde (Katzen, egal was) eigentlich ein schönes, tolles Leben leben, zusammen mit ihren Kumpeln durch die Gassen ziehen, und wir ihnen dieses wunderbare Leben nehmen.
    Die Wahrheit ist aber leider eine ganz Andere.
    Tag täglich kämpfen diese Tiere um ihr Überleben, in der Regel haben sie keine sichere Futterquelle, sind von Parasiten befallen, dem Wetter ausgeliefert, es existiert keine medizinische Versorgung bei Wunden usw.
    Sie werden verjagt, getreten, geschlagen, vergiftet… alles was einem da so in denn Sinn kommt. Das ist kein schönes Leben, wie du offenbar glaubst, dass Emil es gehabt hat.
    Ich persönlich war schon in einem Auffanglager in Spanien, und glaub mir….. die Hunde die dort ankamen waren alles andere als glücklich, zufrieden,gesund und enttäuscht darüber ihr Dasein als Strassenhund aufgeben zu müssen.
    Vielmehr waren sie unterernährt, hatten Flöhe/Zecken, waren verwundet oder alles zusammen.
    Sie lebten das Leben eines Strassenhundes….
    Viele durften zum ersten mal in ihrem Leben auf einer Decke schlafen, sie bekamen Wasser und Futter und wurden versorgt. Die Dankbarkeit solcher Hunde ist unerschöpflich.
    Natürlich gibt es Hunde die so traumatisiert sind, dass eine Vermittlung unmöglich ist. Aber die grosse Mehrheit schliesst sich gerne den Menschen an, und hoffen auf eine eigene Familie. Schliesslich sind Hunde ja keine Wildtiere, sie wurden über Jahrtausende domestiziert.

    Langfristig ist die Lösung ist sicher nicht, dass alle diese Hunde nach Deutschland oder wo auch immer gebracht werden. Dadurch werden es nicht weniger. Vielmehr muss die Bevölkerung aufgeklärt werden, es muss kastriert und informiert werden was das Zeug hält. Nur so bekommt man die Populationen unter Kontrolle.
    Das einsammeln und einschläfern solcher Hunde nützt nichts, weil schon am nächsten Tag wieder ungewollte Hunde ausgesetzt werden, die sich dann vermehren usw…. ein Teufelskreislauf.
    Ich selber habe aber seit Jahren! Nur noch ehem. Strassenhunde. Sie sind einfach wunderbar. Da ich sie von einem Seriösen Tierheim habe, blieben mir auch unliebsame Überraschungen erspart. (Damit will ich nicht sagen das Emil aus einem unseriösen stammt, das kann ich nicht beurteilen. Aber über den Tierarzt der kein Röntgenbild machen wollte, wundere ich mich schon stark..)
    Dort kennen sie ihre Tiere, wissen genau wer wohin passt, und wer event. krank ist.
    Es ist ja nicht so das man bei den Züchtern immer nur top Hunde bekommt. Man denke an die armen Rassen wie den Mops, den Boxer, den Deutschen Schäferhund, und viele viele mehr. Ich komme aus dem Tiermedizinischen Bereich und habe schon so viel Leid gesehen, bei Hunden die eigentlich aus einer „top“ Zucht stammen.
    Mir ging es in erster Linie darum einem Tier zu helfen, und ich habe diese Entscheidung bis heute nie bereut.
    Ich glaube grundsätzlich sind wir in vielen Punkten einer Meinung. Nur in einer ganz klar nicht. Man sollte das Leben eines Strassenhundes nicht „ver-romantisieren“.

    • friedanaali schreibt:

      Vielen Dank für deinen Kommentar.

      Ich gebe dir recht, ein romantisch-schönes Leben hatte Emil in Rumänien sicher nicht. Davon spricht sein geschundener Körper, die Projektile (dass also auf ihn geschossen wurde) und seine tieftraurigen Augen. Dennoch denke ich, dass es sinnvoller wäre, ein schöneres Leben für die Straßenhunde vor Ort zu organisieren (mit medizinischer Versorgung, Essen, Kastration etc.), anstatt sie dauernd vor Hundefängern retten zu müssen. So könnten sie gemeinsam im Rudel in Freiheit und im Einklang mit dem Stadtbild weiterleben.
      Mir ist leider klar, dass das eine Utopie ist, aber dennoch könnte dies eine Utopie sein, auf die man hinarbeiten könnte.

      Ich denke, das beste, was wir solange machen können, ist die Hunde verantwortungsvoll zu vermitteln und den Menschen, bei denen sie einziehen über alle Eventualitäten aufzuklären. Nur so kann man den Hunden ein schönes und liebevolles Zuhause ermöglichen.

      Bei der Zucht ist es dasselbe. Man sollte die Rassenstandarts lockern, so dass eine Zucht mit gesunden und wesensfesten Tieren im Vordergrund stehen kann und nicht „Schönheit um jeden Preis“ gelten muss. Nur so können wir die Rassenvielfalt erhalten.

      Liebe Grüße,
      Philo

  15. Gundula schreibt:

    Hi,
    ehrlich gesagt, verstehe ich nicht, was mir dieser Artikel sagen soll. Hund aus dem Ausland ist sch… ? Ich habe einen Dackel aus dem deutschen Tierschutz, einen Angsthund. Die ersten 2 Jahre hat er sich draussen nur nachts gelöst, wenn absolut niemand unterwegs war und er wird nie ein „normaler“ Hund sein. Für mich war die Entscheidung für ihn für in guten wie in schlechten Zeiten. Tagsüber ist er in einer Hundekita. Ich werde niemals umziehen können, solange ich arbeite, weil ich ihn niemand anderen anvertrauen kann. Sicher ist es manchmal für beide Seiten besser,wenn ein anderes Zuhause gesucht wird aber das ist doch unabhängig von Auslandshund oder nicht. Ich hatte auch mal einen Hund vom Züchter. In seinen 15 Jahren bei mir, haben die Tierarztkosten etwa den Preis eines neuen VW-Polo erreicht…
    Wir sind uns doch alle einig, dass sich der Auslandstierschutz nicht auf den Import von Hunden beschränken darf. Dem ist auch nicht so. Gerade in Rumänien und Ungarn ist der Tierärztepool, Nina Schöllhorn und ihren Mitstreitern herzlichen Dank, ständig mit Kastrationsaktionen beschäftigt. Claudiu Dimitriu und andere setzen sich in Rumänien auf politischer Ebene für die Hunde ein. Es passiert viel aber Wunder geschehen nicht über Nacht….
    … und die allermeisten Hunde suchen ein Zuhause uns sind froh, wenn sie von der Strasse weg sind. Solche Rudel wie in dem Buch „Die Pizzahunde“ beschrieben sind, sind die große Ausnahme.

    • friedanaali schreibt:

      Liebe Gundula,

      danke für deinen Kommentar.
      Was dir dieser Artikel sagen soll weiß ich nicht. Mir ging es darum, die Erlebnisse mit Emil zu verarbeiten, was mir sicher etwas Seelenfrieden verpasst hat und darauf hinweisen, sich mit den Eventualitäten eines Lebens mit dem Tierschutzhund auseinander zu setzen, damit man nicht auf einmal vor dem Trümmerhaufen steht.

      Ich bin nicht gegen Tierschutz und werde sicher auch wieder Tierschutzhunde adoptieren. Aber ich finde dennoch, dass man sich umfassend über die Dinge Gedanken machen muss. Tierschutz ist eben nicht schwarz weiß sondern hat viele Grau-Töne.
      Ich wünsche dir und deinem Zwerg alles Gute!

  16. Sarah schreibt:

    Ich schreibe zur Zeit meine Bachelor-Arbeit in Tierethik über Auslandstierschutz und habe schon öfter beide Seiten gesehen, da ich auch vor Ort recherchiere (Mexiko, Brasilien und Spanien bislang) und muss sagen, dass es immer ein zweischneidiges Schwert ist. Beispiel Mexiko City, Straßenhunde werden geschlagen, mit Steinen beworfen, angefahren liegen gelassen und noch viel viel schlimmeres, definitiv kein schönes Leben für die Tiere, immer in Angst, immer unter Stress. Gegenpol kleines Dorf, Regenwald-Nah, Hunde leben in Einklang mit den Menschen, bekommen Reste auf dem Wochenmarkt von Menschen die selbst nur das nötigste haben, leben in Rudeln und wenn sie die Menschen nicht stören, oder gar schlimmeres, ist es den Bewohnern egal ob und wo die Hunde gerade rumstreunern. Definitiv sehr Hundegerecht! Doch daran sieht man, ich kann und darf nicht pauschalisieren, wie ist mein Fazit? Hunde aus Mexiko adoptieren ist schlecht für die Tiere weil die dort tiergerecht leben, oder Hunde aus Mexiko adoptieren rettet den Tieren das Leben?

    Um wirklich das beste für das Tier zu leisten, sollte es immer seriös zu gehen, egal ob Tierschutz oder Züchter. Es tut mit Leid für dich, was dir widerfahren ist, ich habe mit meinen Spanier genau gegenteiliges erfahren (fit wie ein Turnschuh und gesünder als der Labrador vom Züchter der bei meinen Schwiegereltern lebt) und finde genau deswegen pauschalisieren schwierig.

    • friedanaali schreibt:

      Liebe Sarah,

      vielen Dank für deine Antwort. Dein Thema ist sicher sehr spannend und auch lesenswert.
      Ich hoffe, dass ich mit meinem Artikel nicht pauschalisiert habe. Bei uns lebt noch ein Tierschutzhund und mehrere Katzen aus dem Tierschutz und wir sind sehr glücklich mit ihnen.
      Mir geht es lediglich um eine umfassende Aufklärung vor der Adoption, vor allem wenn es sich um ältere Tiere handelt. Außerdem ist es bei einem Hund, der länger auf der Straße gelebt hat, sicher eine Überlegung wert, in welcher Umgebung er glücklich werden würde.

      Ich bin nicht gegen Tierschutz, ich hoffe sehr, dass das nicht so rüber gekommen ist. Ich bin für Aufklärung und für Recherche, eigentlich so, wie du das auch tust. Nur so kann man sich ein umfasesndes Bild machen.

      Liebe Grüße,
      Philo

  17. Micha schreibt:

    Liebe Philo,

    dein Bericht ist ehrlich, sachlich und ich kann dir in vielen Punkten zustimmen. Ich kann ahnen, wie schwer dir der Schritt fiel, Emil in ein neues Zuhause zu vermitteln, wo seinen Bedürfnissen mehr Rechnung getragen wird. Das ist wirklich ein Akt der Liebe….der sich auch über das Sein- und Loslassen definiert! Respekt!

    LG Micha

  18. Andrea schreibt:

    Hallo Philo!

    Dein Text hat, das gebe ich gern zu, etwas in mir zum Brodeln gebracht 😉 (nicht negativ gemeint, aber es ist schon Verwunderung, Wut und Bedrücktheit dabei)…

    Die Entscheidung für oder gegen einen Hund ist immer, das glaube ich, eine sehr individuelle persönliche Angelegenheit. Klar ist auch die Frage wie gut informiere ich mich vorab und wie gut werde ich von der Tierschutz-Orga und/oder der Pflegestelle informiert (zu diesen ganzen Tierschutzfragen möchte ich erstmal weniger schreiben, kann ich aber noch nachholen ;-)). Du sagst selbstkritisch (Wow! Das können nicht viele!) Du hättest Dich vorab besser informieren sollen. Und: Ja, Tierschutz ist nicht perfekt, das geht besser, finde ich auch.

    Du deutest an, Du hättest Dich lieber auf Deine Intuition verlassen sollen.

    Eine Adoption ist immer mit Gefühl verbunden, mit dem was unter der Oberfläche liegt, denke ich. Warum verliebe ich mich in einen oder entscheide mich für einen ehemaligen Strassenhund, einen Freigeist, obschon mein Berufsleben, in das der Hund integriert werden soll, vor allem beherrscht und strukturiert ablaufen soll?

    Warum nehme ich einen Hund von einer Pflegestelle auf, die für mein Gefühl an den Grenzen des Gutmachbaren arbeitet und keinen 100%igen Eindruck im Punkt Information macht? Entscheide ich vielleicht lieber völlig selbstbestimmt und lasse mich in diesen Dingen nicht gern „an die Hand nehmen“, von aussen leiten oder unterstützen?

    Wieso hinterfrage ich die Einschätzung meines Tierarztes nicht? Warum höre ich nicht auf mein Gefühl und setze eine bestimmte Untersuchung durch, wenn nötig? Aus welchem Grund stimme ich teuren Behandlungen, die nicht gut anschlagen, weiter zu und hole mir nicht eine zweite oder dritte Meinung ein? Vertraue ich der Autorität von Ärzten zu sehr? Oder fehlt mir „nur“ gerade die Zeit und Kraft einen anderen Weg zu suchen und zu wählen? usw.

    Ist es nicht so, mal bewusster mal unbewusster?: Ich habe mich schon „zu sehr“ verliebt in einen Hund und möchte ihn nicht mehr missen. Oder: Ich fühle mich schon „zu sehr“ zu ihm hingezogen und kann nun keinen Rückzieher mehr machen. Oder: Ich bin ungeduldig, möchte nicht länger suchen und mich informieren, sondern mein neues Leben mit Hund endlich beginnen. Oder: Ich möchte (trotzdem) gern helfen. Oder: Er berührt eine Seite in mir, die ich bisher nicht kannte. Oder oder oder…

    Entscheidungen für unser Leben, auch wenn sie von Tierschutz-Orgas, Pflegestellen usw. „beeinflusst“ und im Idealfall mitgetragen werden, sind immer persönlich und liegen vor allem in unserer Verantwortung, finde ich. Manche Menschen sind in ihren Entscheidungen überlegter und langsamer, andere spontaner und intuitiver, wieder andere nehmen chaotische Umwege usw. So sind wir, wir Menschen.

    Ich verstehe Dich eigentlich so, dass Du Emil am liebsten nicht abgeben möchtest. Gibt es nicht einen Plan C für Euch? Du suchst eine HuTa, in der er ein paar Tage die Woche Freiheiten in Sicherheit haben kann und in der Gruppe laufen kann? So wie diese hier, die nur ein Beispiel sein soll und mit der ich weder verwandt noch verschwägert bin 😉 http://www.andys-dogworld.de/ Und abends und am Wochenende macht Ihr Euch ein schönes gemeinsames Leben? Ehemalige Strassenhunde brauchen, so meine ich, nicht ständig Action, sondern auch viel Ruhe. Er vertraut Dir doch, so liest es sich für mich…

    Liebe Grüsse

    Andrea

    • friedanaali schreibt:

      Liebe Andrea,

      vielen Dank für deinen Kommentar. Deine Gedanken sind schön und offen und ich finde mich in fast jeder deiner Fragen und Gedanken wieder. Ich denke, man lernt vom Leben und Emil hat mir unglaublich viel gezeigt und ich habe sehr viel von ihm gelernt. Ich war im August, nach der Diagnose bereits einmal an dem Punkt, ihn abzugeben und habe mich für ihn entschieden. Ich habe aber gemerkt, dass er so nicht glücklich ist. Er ist kein Wochenend-Hund. Er will immer überall dabei sein und bindet sich sehr stark an eine Person, weswegen (eine bezahlbare) Hunde Kita keine Lösung ist.
      Letzendlich musste ich schmerzlicherweise feststellen, dass mein Leben und sein Leben gemeinsam ein großer Kompromiss wäre, für oder gegen den er sich nicht entscheiden kann. Deshalb muss ich ihm die Entscheidung abnehmen und ich will das beste für ihn. Ein Leben in Freiheit und Liebe bei jemandem, der nicht 8-10 Stunden am Tag arbeitet.

      Vielen Dank für dein Mitdenken und Mitgefühl. Es hat mich sehr berührt.

      Liebe Grüße,
      Philo

  19. Pingback: Straßenhunde – Was tun, wenn man sein Herz im Ausland verliert | Der Yorkshire Terrier Blog

  20. Pingback: Straßenhunde - Was tun, wenn man sein Herz im Ausland verliert | Yorkshire Terrier Blog

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s